Dialog

A: Mir fällt es schwer, Dialoge zu schreiben. Irgendwie kann ich zwar die Stimmen in meinem Kopf hören, und ich sehe die Protagonisten vor mir wenn sie sprechen; aber sobald ihre Worte in Buchstaben gefasst sind, tönt es nicht mehr authentisch. Egal, ob ich auch noch beschreibe, was sie gerade tun, wie sie atmen und schnaufen während dem Reden, ich verliere die Stimmen beim durchlesen. Wie ein verzerrtes Echo tönen sie, mit falscher Betonung.

B: Hm.

A: Und dann lese ich auch immer wieder Kritiken von Büchern, die mir gefallen; da steht dann drin, wie glaubwürdig die Dialoge seien – ist wohl schon ziemlich wichtig für eine Geschichte. Aber wie schreibt man denn eigentlich ein Gespräch?  Ist das nicht in sich schon ein Problem, das gesprochene Wort klingt doch anders als das geschriebene. Müsste man demnach alle Dialoge in einer Geschichte laut lesen? Oder zumindest laut lesen können, wenn sie gut sind? Oder ist das eben egal, weil die geschriebenen Worte nur das Mittel sind, um das Gespräch von meinem in einen anderen Kopf zu transportieren? Denkt sich der andere all die kleinen Grunzer, die Mimik, Bewegungen und Blicke? Auch die Anführungs- und Schlusszeichen stören mich, wie Stolpersteine im Fliesstext kommen sie mir vor. Wenn ich dann meine Versuche lese, finde ich sie anmassend für die Protagonisten. Die leben zwar nur in meinem Kopf, aber denen kann ich doch keine hölzernen Sätze und schiefen Gespräche zumuten. Die werden mir ja unsympathisch dabei!

B: Mhm.

A: Irgendwie liegen mir Monologe eh besser. Das bin ich mir viel eher gewohnt, tagaus – tagein das Gespräch mit mir selbst, nicht sehr schwierig, das gegen aussen zu stülpen. Vielleicht kann ich ja zwei Monologe ineinanderflechten, sozusagen als Reissverschluss. Gelingt wohl nur theoretisch, aber einen Versuch wert?

B: Oder probier doch mal ein Interview, sozusagen als standardisiertes Gespräch. Oder nimm einfach alles auf, was du sagst und andere zu dir. Und schreib’s dann ab, vielleicht klingen viele Gespräche beim lesen eh nicht mehr glaubwürdig. Aber ob du das so genau wissen willst?

A: Hm.

B: Vielleicht hilft es dir, gelesene Dialoge weiter zu führen? Oder ihnen eine andere Wendung zu geben? Du könntest auch ein Telefongespräch protokollieren, da konzentriert man sich eher auf das Gehörte. Oder beschreibe nur die Mimik der Telefonierenden, ohne das Gesagte. Aber das ist dann wohl kein Dialog mehr.

A: Mhm. Tönt nach Arbeit.

Im “Mail and Guardian” über Leonard Cohen gelesen:

Songs come painfully slowly to him and when he has a good idea he perseveres with it: Hallelujah took about two years and 80 potential verses. During the playback a screen shows pages from his notebooks, full of scribbled amendments and discarded verses. „There are people who work out of a sense of great abundance,“ he says. „I’d love to be one of them but I’m not. You just work with what you’ve got.“

(…)

I ask him whether he wishes the long and painful process of writing his songs would come more easily.
„Well, you know, we’re talking in a world where guys go down into the mines, chewing coca and spending all day in backbreaking labour. We’re in a world where there’s famine and hunger and people are dodging bullets and having their nails pulled out in dungeons, so it’s very hard for me to place any high value on the work that I do to write a song. Yeah, I work hard, but compared to what?“

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2 Antworten zu Dialog

  1. mikeinhawaii sagt:

    Hi Kathrin
    ich lese deine Blogs gerne und finde deine literarischen Erwägungen spannend! Du kannst mich dann schon mal auf die Subskriptionsliste setzen, denn wer weiss, wohin sich die Preise ohne Buchpreisbindung nun bewegen;-) Mir persönlich gefallen jene Dialoge am besten, die aus der Perspektive einer beteiligten Person beschrieben sind. So lässt sich das gesprochene Wort mit der ganzen Wahrnehmung verknüpfen, die damit einher geht. Das ist ja auch die Sicht unseres eigenen Erlebens.
    Gerade habe ich ein Buch gelesen, dessen Autor diese Methode sparsam, aber meisterhaft einsetzt: In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge.
    Meine Hawaii-Reise rückt in grossen Schritten näher; ich richte mir wohl ebenso einen WordPress-Blog ein, um die Zurückgelassenen ein bisschen neidisch zu machen…
    Herzlich
    Mike

    • Kathrin sagt:

      Hey Mike! Bin sehr gespannt auf deinen Blog, und natürlich auch auf deine Surfkunst! Nur Wind oder auch Wellen? Nach insgesamt wohl höchstens 40 Sekunden stehend auf dem Brett fasziniert es mih doch sehr – und ich bin natürlich neidisch auf die Schnelligkeit, mit der die Kids es lernen. Eine Ukulele haben wir übrigens auch mitgenommen… Danke sehr für die Rückmeldung und den Buchtipp, kann ich beides sehr gut brauchen. Alles Gute und bis bald im Netz.

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