Rangordnung

Es ist Nachmittag, die heissesten Stunden sind vorbei. Gewitterschauer entlocken der Erde jenes Parfüm, das einfach Afrika heisst. Beim Wasserloch ein letzter Halt um die Umgebung zu sichern, unser Konvoi bewegt sich wie eine schwerfällige Herde im Gräsermeer. Gelbe Augen schauen interessiert und ungerührt zurück. Augen, die nicht zu lesen sind, selbstsichere Augen von Königinnen.

Rob und Graham, unsere Führer, nähern sich in ihrem Fahrzeug, der Konvoi rückt nach, alle in einer Spur. Wir schliessen die Fenster, ermahnen die Kinder zur Ruhe. Die Spannung steigt auf beiden Seiten: eine Löwin steht auf, beobachtet uns; die hinteren Wagen rücken dicht auf, schläfrige Spätnachmittags-Blicke plötzlich geschärft. “Please wait where you are, we are debating the situation as the lions are sitting directly in our camp site.” Wir sind dankbar um Anweisungen und geniessen den Anblick, drei Löwinnen und sieben Junge; wir freuen uns, an dritter Stelle zu stehen. Rainer bietet sich an: “We have been in this situation hundreds of times, do you need any suggestions?” “The lions look as if they just had a meal, I’m sure we can go closer. What do you think, Tommy, John and Rainer?”, lädt Roger ein, die Guides zu unterstützen. Die Frauen bleiben still und ungefragt. Rob und Graham erklären uns, dass sie die Löwen ein paar Minuten beobachten wollen, um herauszufinden, was sie vorhaben. Und dass wir bitte die Fenster geschlossen halten sollen. ”Please drive closer, we can’t see as well as you up front!” Mutige Männer steigen aus. Auf dem bisher unbenutzten Kanal 5 des Funkgeräts wird auf Afrikaans diskutiert und besser gewusst. Schliesslich dürfen wir alle ganz nahe heranfahren, die Löwen bleiben ruhig, die Guides auch, trotz dem Druck, die Wildnis vorzuführen. Zurück beim Wasserloch haften die Posen noch einen Moment, es wird weiter dargestellt. “You didn’t hear us with your windows closed. Were you scared?” fragt Rainer die Guides. Roger kommt zu uns, entschuldigt sich für das Drängeln und schiebt nach, sie hätten halt alle schon sehr viel Erfahrung mit Wildtieren. Tommy freut sich mit uns. Die Löwen ziehen ab, der Platz ist unser.

In der Mitte das Feuer, ein Kreis von Tischen und Stühlen, zu äusserst die Geländewagen und Zelte  – eine geschlossene Gesellschaft. Graham erzählt von seiner Ausbildung zum Guide, wie sie in einer schwierigen Situation einen Elefanten erlegen mussten. Rob erzählt von Leoparden, Rainer von Wildhunden, Roger beschlagnahmt als Patriarch den Hintergrund. Ich ertappe mich beim Erzählen von Eisbären in Grönland. Heldengeschichten am Lagerfeuer, Tradition unter der Sternenkuppel; ich merke, wie ich mir angewöhnt habe, in Männerdomänen mitzuhalten.

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