Das bin ich

Lady

Victoria Road – die Ampel steht auf Rot. Mein Ellbogen gleitet dem Fenster entlang, sucht unauffällig den Knopf der Zentralverriegelung, das Fenster bleibt einen Spalt breit offen. Ein Blick auf die Tasche – korrekt unter dem Sitz verstaut. Das Gesicht verhärtet von freundlicher Unverbindlichkeit, meine Miene unbeholfene Mischung aus Augenkontakt und Abweisung – abstruser Versuch, Respekt und Ignoranz zu vereinen. “Lady, please, only two Rand, I beg you. I am hungry today, I have no food.”

Ma’am

“Hello Ma’am, we’re from ADT security!”, gurgelt mir die Gegensprechanlage ins Ohr.  Ich schnappe die Schlüssel, witsche zur Küchentür hinaus, eile um’s Haus und öffne das Einfahrtstor vom Garten aus – zu bequem, um die vielen Schlösser der Eingangstür zu bedienen. Wieder untersucht ein Techniker unsere Fehlalarmanlage – sein Kollege frühsteakt derweil im Auto. Angst habe ich keine mehr, die Alarmanlage nur noch lästiges Detail des Alltags.

Sister

Freitagabend in Kapstadt. Ich entdecke den Parkplatz auf der gegenüberliegenden Strassenseite, mit lässigem Schwung biege ich ein – doch noch rechtzeitig im Restaurant. Im Dunkeln tapsen wir zurück, wonnig von Wein und Wärme – mein Auto fällt auf, schwimmt gegen den Strom parkierter Wagen. “No worries, sister, it’s illegal, but I saw you was at Nonna Lina’s, I call you if we have problem!”, beruhigt mich der Autowächter lachend.

Dear

Schinken und Früchte nur bei Woolworth’s, Mehl und Kakao nur bei Pick’n’Pay, Käse und Wurst nur in der deutschen Metzg, Nina’s Nutella nur bei Checkers – da gibt es auch die Soda Club-Patronen. “We’re out of stock, dear…”

Love

“Come on, love, we’ve got work to do!”, stupst mich Audrey während der Sitzung mit dem Ellbogen an und lächelt. Im Kreis dieser Menschen schaue ich ein bisschen zu herzig drein. Ich bin Debütantin, Novizin; voll Respekt für diese Frauen, die nicht pensioniert werden, die lebenslang für ihre Gemeinschaften arbeiten, anpacken, anreissen. Sie machen mich jung und mutig und froh um die Zukunft.

Kathrin

Das Auto findet die Kurven, frühmorgens, talaufwärts; die Hände lenken, ohne dass ich mich darum kümmern muss. Die Gedanken sind frei, suchen jene Schwebe, wo mir Sätze und Zeilen, Umstände und Unverständliches verwoben werden zu Texten. Matti hält Konversation mit den Moorchnorzen in seinem Bauch, mich stört es nur milde, wenn er mich anspricht; plötzliche Angst, eine Idee zu verlieren – oder den Weg in der blitzenden Morgensonne. Und ewig lockt der Blog mit seinem Publish-Knopf – das Buch ein einsamer Chnorz, der wartet.

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Eine Antwort zu Das bin ich

  1. Moni sagt:

    Cooool! Und so treffend umschireben🙂

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