mehr Scheherazade

…und wieder einmal schreibe ich über das Schreiben, die Meta-Ebene willkommenes Reduit, wenn’s nicht läuft. Mein erstes Buchprojekt habe ich aufgegeben, um Platz zu schaffen für etwas Neues. Zwei Monate habe ich es ignoriert, vor drei Wochen dann ein erstes Wiederlesen. Nicht nur schlecht, aber es enthielt keine Spannung mehr für mich – Sex mit dem Ex soll nicht empfehlenswert sein. Nach drei Wochen auf Bewährung schliesse ich dieses Kapitel ab, sperre es weg und beginne wieder auf dem leeren Blatt.

Zum Glück ganz ohne Bitterkeit – schliesslich habe ich in den letzten acht Monaten gemerkt, dass ich die Tätigkeit des Schreibens mag, das Sammeln der Gedanken, das auf den Punkt bringen,  das Verknüpfen von Situationen mit Aussagen . Erstaunt habe ich festgestellt, dass mir Gedichte wertvoller sind als ich glaubte – und dass ich auch Reime und Bilder finde. Kurze Texte wie dieser hier fallen mir vom Himmel, längere quälen mich eher.

Mehr Scheherazade sein, Erzählerin sein, das möchte ich mit dem neuen Versuch. Weiter weg von mir selbst schreiben, oder nah nur im Detail. Experimenteller darf es werden, wie es mir die südafrikanische Literatur vorschlägt. Protagonisten sollen mir sympathisch sein, aber nicht ganz. Ich muss sie beobachten, ihnen über die Schulter gucken und unter die Schädeldecke kriechen wollen – sonst langweilt mich die Arbeit mit ihnen. Sie sollen mich entführen, sie sollen nicht immer meiner Feder gehorchen. Absurder sollen meine Geschichten werden, unerwarteter im Erlebten. Ich möchte mehr pendeln zwischen Nacherzählung und Vorwegnahme, trotz Engagement will ich freier Schreiben, phantasievoller. Soviel zu den guten Vorsätzen.

Das Verbrennen der Notizen, der übervolle Papierkorb – die klassischen Symbole des schriftstellerischen Stillstands sind mir zu verklärt. Und trotzdem brauche ich auch ein Sinnbild für dieses erste Scheitern – heute morgen habe ich es auf dem Schulweg gefunden. Zeitgleich ist ein Taiwanese hier in Kapstadt aufgelaufen – in der reichen und schönen Bucht von Clifton. Vor ihm ragt der Lions’s Head massive 669m auf – da ist mein Weg doch einfacher: Word – File – New Blank Document. Yebo – es geht los!

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4 Antworten zu mehr Scheherazade

  1. Panglosswannabe sagt:

    I like your writing very much, although German is not my mother tongue, so I’m useless as a critic. I like your approach, though – in other words the things you choose to comment on. And this boat – incredible! Never seen such a thing on Clifton beaches.

  2. Kathrin sagt:

    Thanks for being so specific and telling me what you enjoy. My German is pretty packed and „dense“, a lot of people find it difficult to read. In some texts I try to give sentences a nice rythm, but you would prabably have to read them out loud to hear it – it just works better for me that way, as I often listen to myself speaking the sentences until they sound right to me.
    I got this link from a friend (merci Amélie!) which I find very encouraging: http://justinemusk.com/2012/05/09/how-joyce-carol-oates-would-launch-a-writing-career-today/
    Not the bit about launching a writing career, but about finding your writing voice – this is what the blog is helping me do – thanks to your comments, too!

    And the boat was incredible, they finally managed to tow it away last Friday or Saturday – that guy probably lost his job and his license – glad this can’t happen to me!🙂

  3. Moni sagt:

    Und ich hätte doch soooo gerne dein Buch gelesen🙂 Aber deine Blogs sind ja auch viel wert🙂 Lasst uns einfach weiter an eurem Abenteuer teilnehmen.

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