Körperwelten

Auge

Die Einfahrt ist steil, unser Avanza tuckert hoch und setzt sich neben den SUVs ins Gras. Wir werden freundlich empfangen – bald halte ich ein Glas Wein in der Hand, Matti und Moritz sind mit Kuchen versorgt. Nina treffe ich mit roten Backen, zufrieden, ihr Ethnologenblick verrät, dass sie uns auf dem Heimweg Kurioses von der Party berichten wird. Ich fühle mich fremd in der Gesellschaft, ein Schulmädchen inmitten dieser gesetzten, alterslosen Herrschaften. Unverbindlich nett verabschiede ich mich bald von der Gastgeberin – der Smalltalk plätschert müheloser ohne mich.  “Nina, sag noch danke!”, schon sind wir weg.  Nur blöd, dass es die falsche Dame war – sie sind mir alle gleich.

Nase

Matti schaut angestrengt zum Fenster hinaus, unsere Zweisamkeit mag er nicht teilen, auf dem Heimweg vom Kindergarten. Die beiden Frauen fahren regelmässig mit, sie putzen im Hotel und haben gleichzeitig wie Matti Arbeitsschluss. Ihr Kernseifenduft – auf Haut und Haar und Kleidern – erfüllt das Auto, macht die Luft zum Gedicht; lässt Matti grimassieren, reklamieren, protestieren. Kein Parfüm darin; Rauch, Schweiss und Reiniger erzählen ihre Geschichte.

Ohr

Ich liege im Bett, in der langen Stunde zwischen vier und fünf Uhr morgens. Es ist nicht Vollmond, keine Sterne am Himmel, das Licht des Leuchtturms schwummert durch den Seenebel. Trommel oder Glockenfrosch? Stimmen oder Hundeheuler? Kinderatem oder fremder Tritt? Die Angst nur geträumt, im Wachen weiss ich, dass wir sicher schlafen, so sicher wie möglich.

Haut

Rauher Baumwollstoff streift meinen Arm – ich richte mich auf im Klappsitz neben Priscilla, versorge das Handy in der Tasche. Der Stoff ist orange, ein Overall; zigfach mit “Corrections” bedruckt. Jeder im Wartesaal sieht Handschellen und Fusskette – das eigene Gebrechen für eine Minute vergessend. Kein Blick wird erwidert, kein Auge getroffen; Häftling und Wärter sind allein in der Menge – miteinander, füreinander.

Mund

Sie ist weiss und rund und buttersüss, schmilzt zungenzart – ein Müntschi vom Liebsten. Sie vertreibt mein Hypo vor dem Sonntagsbrunch, passt mittags zum Kaffee, feinstes Mümpfeli abends im Bett. Sie ist vertraut und immer goldig-gleich; die Kugel zum Glück – ich hab sie satt.

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