Auf Umwegen

Unterwegs in Mpumalanga, westlich von Johannesburg, fallen mir am Tankstellenshop als erstes reiche Schwarze auf; Menschen, wie es sie in Kapstadt kaum gibt. Wir sind unterwegs nach Swaziland, der letzten absoluten Monarchie Afrikas, nicht halb so gross wie Switzerland. Es dunkelt früh ein, uns irritiert ein  Schild am Strassenrand: border open 8-16. 28 Kilometer sind’s noch bis zur Grenze; die Sonne sinkt zwischen den Hügeln, wir kurven weiter – umkehren war noch nie unser Ding. Auf der Landkarte entdecken wir eine ungeteerte Strasse, 50 holprige Kilometer der Grenze entlang zum nächsten, grösseren Übergang. Danach fahren wir noch 70 weitere Kilometer bis Phophonyane, unserem Ziel, das vorhin fast in Sichtweite war. Affen, Eulen und Nguni-Rinder tauchen im Scheinwerferlicht auf; immer Mal wieder auch Menschen, Häuser oder ein schwelendes Feld. Die Nacht in Afrika ist dunkel.

Phophonyane ist ein Paradies in den Bergen, morgenfrisch von der kühlen Nacht wandern wir durch das Naturreservat: Tessin meets Corsica meets Africa.

Am nächsten Morgen besuchen wir den Markt in Manzini, erstaunlich, wie frisch die immergleiche Ware ist, obwohl nur wenige Kunden vorbeikommen. Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln, Bananen, Orangen, Kürbis, Ananas und Avocados; Abwechslung gibt es kaum.

Nach einem kleinen Sprachkurs bringt uns Myxo nach Kaphunga, wo wir in einer traditionellen Rundhütte aus Gras übernachten. Die Höfe der Streusiedlungen überziehen die Hügel, wie im Appenzell weiss man kaum, wo ein Dorf aufhört, wo das nächste beginnt. Gras- und wenige Steinhütten prägen das Bild, die Bauern leben von ihrem Grund und Boden, Mehrwert wird von Auserwählten im Tal geschaffen. Männer sind Könige in ihrem Revier, Frauen kennen ihre Arbeit. Jetzt im Winter wird Gras geschnitten, die Hütten werden neu gedeckt. Kinder leben hier wild und gefährlich, manchmal gehen sie zur Schule. Auch Myxo fällt unter den Menschen hier auf, er ist ein hilfsbereiter Aussenseiter, sicher kein Dörfler.

Gleich am Eingang der Mkhaya Game Reserve grüssen uns vier Nashörner, wir sind alle sehr beeindruckt, nur 10 Meter trennen uns vor den Kolossen. Viele Elefanten, Nyalas, Kudus und eine Giraffe später geniessen wir das 4-Gang-Menu am Lagerfeuer und ganz besonders die Bettflaschenwärme, nachts ist es deutlich unter 10 Grad, und unser Cottage hat keine Wände.

Wir fahren weiter durch den Süden Swazilands, das Land wird flacher und Zuckerrohr wächst anstelle von Gras. Ennet der Grenze wechselt das Bild kaum, wir sind in der südafrikanischen Provinz Kwazulu-Natal, ein ehemaliges Homeland, das den Schwarzen während der Apartheid überlassen wurde. Auch hier sehen wir wenig Gewohntes, die meisten Menschen leben von der Subsistenzwirtschaft.

Isimangaliso heisst Wunder auf Zulu – viel treffender gesagt als „fünf Ökosysteme auf kleinstem Raum“. Die Elephant Coast hat ein warmes, wildes Meer – in dem sogar die Hippos manchmal baden. Wir selbst bleiben am Trockenen und im Hellen, nachts sehen wir die Nilpferde unweit unseres Bungalows grasen.

Das Hluhlue/Umfolozi Game Reserve ist unser letztes Ziel. Eine seltsame Art, die Natur zu erleben, einen ganzen Tag lang eingebüchst im Auto. Und doch sind wir glücklich, Landschaft und Tiere sicher erfahren zu können. Ein Auszug von Moritz’ Tierliliste: Giraffen, Büffel, Paviane, Grünmeerkatzen, Wildhunde, Elefanten, Nashörner, Krokodile, Nilpferde, Fischadler, Eisvogel, Gnu, Impalas, Nyalas, Kudus, Buschböcke, Duiker Zebras, Perlhühner, Warzenschweine, Kuhreier…

Im Morgengrauen brechen wir auf, 600 km sind es von Nongoma, „heart of the Zulu nation“ bis Johannesburg. Die Sonne geht auf wie ein Pfirsich, wir sind froh schon unterwegs zu sein, der Flug geht um 15 Uhr. Doch halt: wieso zeigt hier ein Wegweiser zum Hluhlue-Park? Wieso steht die Sonne im Westen? Bald dämmert’s uns: 40 km verkehrt gefahren, macht 80 km mehr als geplant. Wir haben’s geschafft – ohne nasse Hosen.

Bilder von uns gibt’s wie immer auf Bestellung: kathrin.schlup@gmx.net.

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