Nie allein

Die Landschaft Lesothos ist dicht bevölkert – von Menschen und Tieren. Schafe, Ziegen, Kühe, Ochsen, Hühner, Esel und Ponys; sie alle arbeiten für die Bauern in Lesotho. Kein Tier, das keine Last trägt, keinen Karren zieht, nicht gegessen, geschoren oder gegerbt wird. In aller Abgelegenheit fühlte ich mich noch nie so umgeben von Menschen, die ein Ziel haben – im Tal, am Berghang, an der Quelle. Ich spüre eine Einsamkeit, die der Touristin, ohne Zweck und Aufgabe.

Licht

Etwa vierzig Prozent der 2 Mio Basotho leben von weniger als einem Dollar pro Tag, neben Kinderarbeit ist die hohe Zahl der Menschen, die mit HIV leben (27%, in der Hauptstadt 50%) Ziel von Staatskampagnen. Verglichen mit Südafrika hat die Enklave vor allem bezüglich Bildung die Nase vorn: Lesotho hat eine der kleinsten Analphabeten-Raten in ganz Afrika. Über 12% des Staatshaushaltes fliessen in die Bildung – das würde auch der Schweiz gut anstehen.

Beiz

Ponys, überall Ponys in diesem Land. 1835 wurden die ersten eingeführt; um 1870 war das ganze Land beritten. Die Vollblüter sind klein, wendig, genügsam und sanft – in der Schweiz wurden für ähnliche Strecken Maultiere benutzt. Eine Frau erklärt uns die Währung des Brautpreises: 1 Braut = 5 Kühe = 10 Ponys = 20 Schafe = 25 Ziegen. Sieben Stunden im Sattel, am ersten Tag unseres Treks. Auch wir sind schnell von dieser Art des Reisens überzeugt – nur die Sitzfläche, die braucht noch etwas Übung.

Vater und Sohn

Auf der Fahrt von Malealea nach Semonkong klingt plötzlich das Selbstvertrauen an, das ich vor Jahren auf meiner Reise nach Grönland schon erfuhr: heute habe ich zwar drei Kinder dabei, aber keinen Mann, keinen Gefährten, keine Schwester, keinen Bruder, mit dem ich meine Entscheide diskutieren, meine Sorgen teilen könnte. Es ist, als ob eine schlafende Fähigkeit geweckt würde – vorhanden, aber selten gebraucht. Kraftvoll kurve ich um die Löcher in der Strasse, mir wurde versichert, dass alle Menschen freundlich seien in Lesotho.

auf 3095m

Fast vier Stunden brauchen wir für die letzten 100 km, das Kunststück gelingt uns auch auf dem Rückweg ohne Panne, trotz anhaltendem Regen. Der Minibus ist voll besetzt – meine Versicherung gegen das Steckenbleiben im Schlamm. Zwei Gespräche verweben sich im Bus, fast keiner unserer Fahrgäste spricht Englisch. Worüber lachen sie wohl, fragen wir uns auf Schweizerdeutsch, und fühlen uns nicht unhöflich, dem eigenen Gesprächsfaden zu folgen.

Tourbus voll

Khotso, Pula, Nala

Peace, Rain, Prosperity

P.S.: Fotos von uns gibt’s auf Anfrage: kathrin.schlup@gmx.net

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