Mammelifigger bleibt im Auto

7.41 Uhr – Oh my darling, es geht los! Sechs Minuten Verspätung, ohne geht’s an keinem Morgen. Neil Young singt die Lieder der Cowboys und Farmertöchter, der Farmhands und Fabrikarbeiter. Unsere Blechkutsche ruckelt hinter einem Lastwagen die Passstrasse hoch – wir bleiben cool. This land was made for you and me.

8.20 Uhr – Mit den Jollies schwingen Jahrzehnte der Erinnerungen in der lauen Morgenluft – laut singe ich eine zweite Stimme, die wohl manchen Freund der Tanzkapelle das Schaudern lehrte. Ich bin allein im Wagen, lasse Töne und Gedanken fetzenweise aus dem Fenster fliegen – i colori del mare breiten sich vor mir aus, nur der profumo der Fischfabrik ist mir eher zu viel. Lautes Zuknallen der Autotür als Versuch, noch vor der Sitzung Giovanella am ohrwurmen zu hindern.

14.20 Uhr – Mitten im Schreiben schrecke ich auf. Eine Kante Brot, ein Biss Käse landen auf dem Beifahrersitz – Mist, schon wieder das Wasser vergessen. Kinderflaschenwasser gibt’s also später – geschüttelt, nicht gesprudelt. Das Tempo will gedrosselt sein – sowohl im Hirn wie auf der Strasse. Die gesetzten Streicher der Brandenburgischen bringen mir den neuen Takt – und die Hörner, die Hörner lassen das Herz weich und offen werden. Unter schattigen Alleen jubiliere ich mit der Trompete – noch vor der Streicherjagd im dritten Konzert bin ich bei den Kindern.

14.55 Uhr – Ich schalte vom Vierten in den Dritten – die Musik wird aufgedreht, Kurven zieh’n vorbei. Wind pumpt Hitze in den Wagen, draussen jagen Hausaufgaben, vergessen, vorbei. Never change a winning team. Haare fliegen im Wind, Köpfe werden gebangt, Stimmen laut und falsch und frei. In den Sitzen wird gehüpft, geshaked, gejohlt was die Gurte hergeben – es steht 7:7 für uns!

7.46 Uhr – Da hilft nur noch fluchen. Gustav’s Dialekt zu behäbig, tami Salami! Hau en dumme Siech, wenn de chasch, reine du matin. Leider sind’s die eigenen Kinder. Statt Ohrfeigen schallt „Gwalt isch guet!“ überlaut durch die dicke Luft – vor dem Kindsgi empfiehlt mir Matti: „Aber gell, Mami, der Mammelifigger bleibt im Auto!“

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