Reich und Schlau

Gini_coefficientQuelle: The Economist

Der Gini-Koeffizient misst die Ungleichheit der Einkommen innerhalb einer Volkswirtschaft. Bei Gleichverteilung (jedes Einkommen ist gleich hoch) nimmt er den Wert 0 an, bei maximaler Ungleichverteilung (eine Person erhält das komplette Einkommen) nimmt er den Wert 1 an.

Südafrika hat weltweit (nach Namibia) den zweithöchsten Gini-Koeffizienten, seit Ende der Apartheid ist er leicht angestiegen. Nirgendwo sonst als in diesen beiden Ländern verdienen so wenige so viel mehr als der Rest. Wir erfahren hauptsächlich aus den Verkehrsmeldungen von den Protesten gegen die Ungleichverteilung des Einkommens – sie finden fast in einer anderen Welt statt, so stark ist die Segregierung am Kap. Die Immerschonreichen haben sich die Vororte Kapstadts gekauft – und dämmern in diesem Garten Eden vor sich hin.  Politik, Engagement, Auseinandersetzung würden das Idyll nur stören.  Es lohnt sich nicht, zu regieren, weil man reich ist – und alle, die regieren, werden reich.

Ein anderes Land, andere Zahlen: In der Schweiz verdienen Topmanager im Durchschnitt etwa zehn bis zwanzig Mal so viel wie Produktionsarbeiter (abgesehen von den prominenten Ausnahmen). Dieses Verhältnis blieb ziemlich stabil in den letzten Jahren. Bedenklich ist, was sich an den Rändern der Gesellschaft tut. War die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein, bis in die 80er Jahre unabhängig vom Bildungsstand, so ist es heute viel wahrscheinlicher, bei niedriger Qualifikation arbeitslos zu werden. Die Zukunft der Schweiz gehört den Gescheiten. Wer so dumm ist, sich zu den anderen zu zählen, dem können wir keinen Arbeitsplatz mehr garantieren.

„Proudly South African“ heisst es auf einheimischen Produkten. Wann merken unsere Nachbarn aus dem Grüngürtel, dass  man nur stolz auf das sein kann, was man mitgeprägt hat? Und wann merken wir anderen Nachbarn am Goldhügel, dass wir an einer Schweiz für alle bauen müssen?

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