Welcome back!

Den ersten Arbeitstag nach längerem Urlaub mochte ich schon immer: die Ernsthaftigkeit für aufreibende Auseinandersetzungen hat sich noch nicht eingefunden, und eine relaxierte Unbeschwertheit umgibt mich wie ein teurer Duft. Der E-Mail-Berg mag riesig sein, aber gestern war er nicht wesentlich kleiner, und das Verpasste wird relativ gesehen mit jedem Ferientag weniger. In seiner amorphen Masse bleiben etwaige Klippen noch verborgen und scheinbar Unüberwindliches hat sich in meiner Absenz oft schon gelöst, manchmal ist sogar ein lange ersehnter Entscheid gefallen. In diesem Zustand stellt sich die Sinnfrage offensichtlicher und die Triage zwischen Wichtigem und Dringlichem fällt leichter. So war es in der Schweiz.

Bei meiner Arbeit als Vice-Chair von Bethesda läuft alles ein bisschen anders. Nur eine E-mail erwartet mich nach den Ferien. Statt mit Aufräumarbeit am Computer verbringe ich den Tag in Gesprächen, die mich durch ein Dickicht tragi(komi)scher Geschichten führen, deren Unvorsehbarkeit zugegebenermassen fasziniert. „Listen to this – you won’t believe it!“ sagt mir Priscilla (Chair von Bethesda) frühmorgens nach einer herzlichen Umarmung – obwohl ich natürlich weiss, dass mir nichts anderes übrig bleibt. Zwischen den Ferien bin ich ja einfach eine weitere Figur auf dieser absurden Bühne.

Wie viele Geschichten beginnt auch diese mit einem Todesfall. Diesmal ist die lokale Direktorin der National Development Agency (NDA) unerwartet gestorben. Seit Anfang Jahr haben wir mit ihr über den Kauf eines Transportfahrzeuges für Bethesda verhandelt, das die NDA finanzieren wollte. Auch sonst war sie in unserer Organisation präsent, einige Klientinnen gingen manchmal bei ihr putzen. Letzten Montag traf sie Priscilla zufällig auf der Strasse und gab ihr grünes Licht für den Autokauf. Am Dienstag stand eine Ambulanz vor ihrem Haus und ihr Mann erklärte Priscilla, sie habe wohl einen Schlaganfall erlitten. Als Priscilla anschliessend bei der NDA anrief, (eigentlich um die Details des Autokaufs zu regeln) und die Mitarbeitende über den Schlaganfall der Chefin informierte, reagierte diese erstaunlich gleichgültig. Und klärte Priscilla dann auf, dass die Direktorin entlassen wurde. Bereits im März.

Wir können nicht anders, wir lachen herzhaft. Feld eins beim Fahrzeugkauf kennen wir bestens, wir besuchen es bereits zum dritten oder vierten Mal. Ich fühle Erleichterung, dass es diesmal niemand traf, der der Organisation wirklich nahe steht. Im März starb Deline, unsere erste Geschäftsführerin, eine Freundin, die ich für ihre Grossherzigkeit und Konsequenz bewundere. Anfang Januar hatten gleich drei Klienten ein Suizid (also eigentlich drei) in der engen Familie zu beklagen. Letzten Oktober kenterte das Ausflugsboot eines Stiftungsratsmitglieds – ein Tourist und ein Angehöriger der Mannschaft ertranken dabei.

Aber nicht immer sind die Geschichten tragisch oder traurig – manchmal lohnt es sich, die eine E-Mail sofort zu lesen: eine lokale Kirche schickt ihr Zusage, dass wir ihre Räumlichkeiten bis auf weiteres für den Workshop benutzen dürfen. Und stellt in Aussicht, dass sie uns Land günstig verkaufen wird, damit unser Traum der behindertengerechten Arbeitsstätte doch noch wahr wird. Yebo!

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2 Antworten zu Welcome back!

  1. Monika Stampfli sagt:

    Liebe Kathrin Schön, wieder mal was von dir zu hören. Die Sache mit dem Autokauf bzw. Kündigung seit März ist herrlich “befreiend” und tragisch zugleich😦. Es braucht schon ein gewisses Gen, um mit solchen Rahmenbedingungen frustlos zu leben. Und wie war Mozambique? Und das Treffen mit meiner Nachbarin? War schön, euch beim Grillplatz kurz zu sehen. Guten Start wünscht Moni

    Am 17.07.13 10:47 schrieb „The Schlup Five“ unter

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